Zwangsexmatrikulation in Köln
AStA der Uni Göttingen fordert sofortiges Handeln
Nachdem letzte Woche bekannt wurde, dass die Universität zu Köln 32 Studierende aufgrund von auslaufenden Studienordnungen in Diplom- und Magisterstudiengängen zwangsexmatrikuliert hat, fordert der AStA der Uni Göttingen die sofortige Rücknahme der Exmatrikulation. Im Zuge der Bologna-Reformen verschlechtern sich vielerorts die Studienbedingungen. In Köln hat die Reform jetzt bei einigen Studierenden zu einem schlagartigen Ende des Studiums geführt.
„Es ist ein Unding, dass Studierende jetzt zwangsexmatrikuliert werden, bloß weil sie noch die klassischen Studiengänge studiert haben. Aber nicht nur darum geht es, sondern auch um die Art der Entscheidung. Dass die Betroffenen einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden können, zeugt von einer höchst undemokratischen Hochschulstruktur. Alle Studierenden sollten frei entscheiden können, wann sie ihr Studium zum Abschluss bringen können“, sagt Hartmut Hombrecher, Referent für Hochschulpolitik im AStA der Uni Göttingen.
Studierende, die nicht in der Regelstudienzeit studieren, sind von Zwangsmaßnahmen bedroht. Dabei sind die Gründe für eine Verlängerung des Studiums vielfältig. Oft verlangt die gegenwärtige Lebenssituation eine Verlängerung des Studiums: Soziales Engagement oder Nebenjobs haben ihren Einfluss auf die Studienzeit.
Härtefallanträgen etwa wegen Mitarbeit in Gremien, Kinderbetreuung oder Krankheiten können die Universitäten stattgeben, müssen dies aber in der Regel nicht tun.
Besonders engagierte oder sozial benachteiligte Studierende haben oft mit beträchtlichen Beeinträchtigungen im Studium zu kämpfen.
„Dass die in Köln Exmatrikulierten Studierenden zum Teil jahrelang besonders engagiert in der Studierendenvertretung waren, macht die nun vollzogene Zwangsexmatrikulation noch folgenreicher. Es entsteht der Eindruck, dass keine Notwendigkeit politischer Aktivität besteht. Jedoch muss ein solches Engagement durch die Hochschulen ermöglicht und unterstützt, aber nicht auch noch behindert werden. Das gegenwärtige Beispiel an der Universität zu Köln verdeutlicht, dass die Studierenden - gerade in den alten Studiengängen - von den Lehrenden oft nur als Belastung wahrgenommen werden“, so Maren Köhlmann, Referentin für politische Bildung, Demokratie und kritische Wissenschaft.
Der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität Göttingen fordert die Hochschulen auf, allen Studierenden die freie Wahl über Art und Dauer ihres Studiums zu überlassen und keine Zwangsexmatrikulationen in auslaufenden Studiengängen vorzunehmen.
AStA Uni Göttingen, 30. August 2011
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