Wissenschaftliche Studie bestätigt alarmierende Lage der Studierenden!
Pressemitteilung vom 23.03.2011
+++ Der AStA der Uni Göttingen kritisiert die Schönrederei der Studie seitens des Bildungsministeriums und fordert massive Verbesserungen der Studiensituation +++
Vergangene Woche ist der 11. Studierendensurvey des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Berlin vorgestellt worden. Diese Studie untersucht seit 1983 die Studiensituation und studentische Einstellungen in Deutschland. Schwerpunkte sind das Profil der Studierenden, ihre Erfahrungen in Bezug auf Prüfungen, Studienanforderungen und die Qualität der Ausbildung, Auslandsmobilität sowie Erwartung an Beruf und Arbeitsmarkt. Es wurden im Wintersemester 2009/2010 rund 28.000 Studierende an insgesamt 25 Hochschulen befragt, wobei knapp 7800 Studierende an der Studie teilnahmen.
„Die Studie zeigt eindeutig, dass Studierende sich mit ihrem Studium überfordert fühlen und der Lern- und Leistungsdruck so hoch ist wie noch nie! Wie Bundesbildungsministerin Schavan in diesem Zusammenhang von einer angeblichen ‘Zufriedenheit’ der Studierenden reden kann, ist uns schleierhaft“, so Maren Köhlmann, Referentin für Demokratie, politische Bildung und kritische Wissenschaft des AStA.
51 Prozent der Studierenden berichten von hohen Ansprüche n im Studium, 2001 waren es lediglich rund 39 Prozent. Vor allem die Prüfungsdichte hat in den letzten Jahren stark zugenommen: 53 Prozent der Studierenden fühlen sich durch die Zahl und Dichte von Leistungsnachweisen überfordert. Dazu Patrick Michaelis, Referent für Transparenz und Öffentlichkeit: „Die Kritik am Bachelor/Master-System, die während der Bildungsproteste von den Studierenden geäußert wurde, ist immer noch berechtigt. Dass der Bologna-Prozess seine Versprechen nicht erfüllen würde, zeichnete sich schon vor seiner Umsetzung ab – dessen grundlegende Ausrichtung steht einem kritischen und selbstbestimmten Studium entgegen. Eine umfassende ‘Reform der Bologna-Reform’, in deren Ausgestaltung die Studierenden selbst mit einbezogen werden, ist dringend nötig.“
In Bezug auf die Umsetzung des Bologna-Prozesses erscheint die Entwicklung der internationalen Mobilität der Studierenden besonders frappierend. Obwohl eine bessere internationale Vergleichbarkeit geschaffen werden sollte, sinkt de facto die Zahl der Studierenden, die während des Studiums ins Ausland gehen, drastisch. Das liegt zum Einen am Leistungsdruck, an der Verschulung des Studiums sowie an den eng getakteten Prüfungen. Zum Anderen werden aber auch zeitliche und finanzielle Bedenken, die einem Auslandsaufenthalt im Weg stehen, von den Studierenden angegeben, obwohl der Nutzen von Auslandsaufenthalten von ihnen als hoch eingeschätzt wird. „Eine Flexibilisierung des Studiums sowie weniger Zeit-, Leistungs- und Prüfungsdruck sind Grundvoraussetzungen, um Auslandsaufenthalte zu ermöglichen. Es liegt an den Hochschulen, diese Rahmenbedingungen zu schaffen“, so Kay Bents, Sozialreferent des AStA.
Weiterhin stellt die Studie fest, dass nur 42 Prozent der Studierenden BildungsaufsteigerInnen sind und somit mehr als die Hälfte aller Studierenden einen akademischen Hintergrund haben. Wir fordern Annette Schavan und alle auf Landesebene agierenden Menschen daher dazu auf, durch die konsequente Abschaffung aller Studiengebühren sowie eine Ausweitung des BAföG darauf hin zu wirken, dass eine akademische Bildung nicht mehr vom sozialen Hintergrund abhängt!
„Frau Schavan hat bereits in den letzten Jahren wiederholt bewiesen, dass es ihr nicht um die Interessen der Studierenden geht. Deshalb liegt es an uns Studierenden – als Betroffene dieser Politik – aktiv die Verbesserung der Verhältnisse an den Hochschulen durchzusetzen. Wir fordern die Hochschulen in diesem Rahmen auf, die Interessen der Studierenden ernst zu nehmen“, so Lydia Brenz, AStA-Außenreferentin abschließend.
AStA Uni Göttingen, 23. März 2011
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