Agenda

AStA stellt Schwerpunktthemen für die Legislaturperiode 2016/17 vor ^

Fokus für das kommende Jahr neben Serviceangeboten vor allem auf politischer Arbeit – Festival „contre le racisme“ angekündigt

Anlässlich des Vorlesungsbeginns zum Sommersemester (11.04.) hat der neugewählte AStA der Uni Göttingen seine Schwerpunkte für die anstehende Legislaturperiode 2016/17 vorgestellt. Mit sechs zusätzlich eingerichteten Referaten wird sich die Arbeit des linken AStA nicht nur strukturell, sondern auch politisch von der seiner Vorgänger unterscheiden. „Wir verstehen uns nicht als bloße Serviceplattform für Studierende, sondern darüber hinaus als emanzipatorische und basisdemokratische Vertretung mit einem klaren politischen Auftrag“, erklärt Vivien Bohm als neu gewählte Vorsitzende.

Organisation & Arbeitsweise

Innerhalb des AStA arbeiten die Referate als Team zusammen. Dabei besteht keine Hierarchie zwischen Referent*innen und Sachbearbeiter*innen. Die Arbeit des AStA wird teilweise über Arbeitskreise organisiert. Dazu schließen sich einzelne Sachbearbeiter*innen, Referent*innen oder ganze Referate zusammen, um ein Thema bzw. Projekt zu bearbeiten. Demensprechend nimmt die Vorsitzende koordinierende Aufgaben wahr und unterstützt die Referate bei ihren Projekten. Außerdem repräsentiert Sie den AStA nach außen, zum Beispiel gegenüber der Presse. „Mein persönliches Ziel ist die Sichtbarmachung des AStA als politische Vertretung. Langfristig möchten wir die Studierenden wieder dazu motivieren, vermehrt gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sie für politische Themen sensibilisieren“, führt Vivien Bohm, Vorsitzende des AStA der Uni Göttingen, weiter aus.

Diesen Anspruch stellen wir selbstverständlich nicht bloß an die Studierenden, sondern auch an uns selbst. Um dem Ziel einer basisdemokratischen Studierendenvertretung gerecht werden zu können, sollen die Prozesse innerhalb des AStA transparent und offen gestaltet werden. Dies bedeutet neben dem Erzeugen einer größtmöglichen Öffentlichkeit auch die stetige Reflektion der eigenen Arbeitsweise“, ergänzt Jonas Neef, Referent für Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu wurden bereits im ersten Monat der Amtszeit eine unabhängige und selbst administrierte IT-Infrastruktur und Grundlagen für die Öffentlichkeitsarbeit geschaffen. Auch die bereits von früheren linken ASten bekannte Corporate Identitiy wurde modernisiert.

Zentral für eine breite Öffentlichkeit ist der aktive Austausch mit Vertreter*innen aus den Medien und Journalismus. Anders als vorherige ASten räumen der AStA der Öffentlichkeitsarbeit durch die Unterbringung in einem eigenen Referat so den nötigen Raum ein.

Soziales & Wohnen

Der Umgang mit sozialen Belangen der Studierendenschaft wird im AStA weiterhin einen wichtigen Teil der Servicearbeit darstellen. So wird auf der AStA-Homepage, in Sprechstunden oder per Mail rund um die Themen Studienfinanzierung, Krankenversicherung, Rundfunkgebühren, Wohnen, Studieren mit Kind, Barrierefreies Studium, Internationales Studium und Semesterticketrückerstattung informiert und beraten. „Wir versuchen Studierenden mit Kind ihren Unialltag zu erleichtern. Schon jetzt stehen Termine für drei Elterncafés fest, bei denen über die Möglichkeiten und Probleme studierender Eltern gesprochen werden kann“, erklärt Larissa Freudenberger, Sozialreferentin. „Teil unserer Bemühungen wird auch eine Neuauflage des beliebten AStA-Kinderfests im Sommer sein.“

Konfrontiert mit einem permanenten Wohnraummangel in Göttingen und vor dem Hintergrund einer geplanten Erhöhung der Studierendenwerksbeiträge zur Finanzierung von Wohnraum wird ein Engagement des AStA auch in diesem Bereich akut. Der bereits gegründete Arbeitskreis „Wohnraum“ soll alle Interessierten zusammen mit den relevanten Akteur*innen aus Politik und Verwaltung an einen Tisch bringen und so mittel- und langfristige Lösungsansätze erarbeiten.

Vernetzung innerhalb & außerhalb der Universität

„In den vergangenen Jahren wurde im Außenreferat hauptsächlich die Vernetzung zu anderen ASten im Bundesgebiet sowie zu staatlichen Institutionen als referatseigene Kernaufgabe aufgefasst. Das Außenreferat des AStA 2016 hat es sich für diese Legislaturperiode zum Ziel gesetzt, sich neben den bestehenden bundesweiten Zusammenhängen stärker lokal in der Region zu vernetzen. Als Ansatzpunkt haben wir hier vorrangig das Engagement gegen Rechts in der Region ausgemacht“, berichtet Außenreferent Hauke Oelschlägel.

Insbesondere seit den letzten zwei Jahren ist in der Region Göttingen nicht nur ein Aufleben extrem rechter Strukturen an der Universität, sondern auch in der gesamten Region zu verzeichnen. Anlass hierfür sind verstärkte Ressentiments und Hetze gegen Geflüchtete, die beispielsweise in lokalen Initiativen wie der Jungen Alternativen Hochschulgruppe (JA) oder dem sogenannten „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ aufgegriffen und befeuert werden. „Als politischer AStA wollen wir einen Austausch ermöglichen und zusammendenken, was zusammengehört: Gemeinsames Engagement von Studierenden und außeruniversitärer Gesellschaft gegen rechte Hetze und Gewalt. Denn Rassismus und Menschenfeindlichkeit gehen unser Meinung nach alle etwas an“, führte Oelschlägel weiter aus.

Um Studierenden das Engagement an der Universität zu erleichtern, müssen alle Initiativen, Vertreter*innen und Ansprechpersonen für Interessierte erreichbar sein. Aus diesem Grund arbeitet das Hochschul-Referat derzeit an einer vollständigen Auflistung studentischer Gremienmitglieder und den Kontaktadressen zu den Fachschaften an der Uni sowie an der Erweiterung und Überarbeitung des Verzeichnisses hochschulpolitischer Initiativen. „Auch die Belange derjenigen Fachschaften, die, etwa ob ihrer Lage am Nordcampus, bisher zu wenig mit der Vertretung im Rosa-Luxemburg-Haus vernetzt waren, sollen in dieser Legislaturperiode eine größere Betrachtung erfahren. Aus diesem Grund haben wir eine zusätzliche Sprechstunde des Hochschulreferates am Nordcampus geplant“, so Roman Kirk, Hochschulreferent des AStA.

Weiter gilt es sich in Zeiten unzureichender Hochschulfinanzierung und der damit einhergehenden Ökonomisierung der Universität kritisch auseinander zu setzen. Der AStA stellt sich entschieden gegen die neuen Zielvereinbarungen des niedersächsischen Bildungsministeriums, die durch Budgetreduzierungen zu einer Unterfinanzierung einiger Fakultäten führen könnten. Auch gilt es, die mittlerweile im niedersächsischen Hochschulgesetz abgeschaffte allgemeine Anwesenheitspflicht konsequent durchzusetzen, um so den Studierenden in Göttingen ein selbstbestimmtes Studium zu ermöglichen.

Allgemeinpolitisches Mandat

Seinen Auftrag zur politischen Bildung der Studierendenschaft nimmt der AStA in der Einrichtung weiterer Referate wahr. So wird seit der Wahl am 1. März in den Referaten für Ökologie, Politische Bildung, Gender & Diversity sowie Flucht & Migration gearbeitet.

Es ist augenscheinlich, dass unser derzeitiger Ressourcenverbrauch das Klima verändert und Böden, Wasser, Biodiversität und schlussendlich uns selbst schadet“, erklärt Michael Schlorke, Referent für Ökologie. „Um diese Problematik in die Göttinger Hochschulpolitik zu tragen, wurde das Referat für Ökologie eingerichtet.“ Für den universitären Alltag bedeutet das zum Beispiel durch Verhandlungen mit dem Studentenwerk ein umfangreicheres Angebot an regionalen, biologischen und fair gehandelten Produkten auf dem Campus anzubieten. Ein weiterer Ansatzpunkt sind die Bestandsaufnahme und Förderung von Lehrinhalten zu Thema Ökologie und Nachhaltigkeit, wie dem Studienzertifikat „Studium Oecologicum“. An dieser Stelle soll die Zusammenarbeit von Studierenden und Dozierenden der Fächer Biologie, Bio-Diversität, Ökosystemmanagement und Geographie gefördert und unterstützt werden. Ein interdisziplinärer Ansatz und kritische Wissenschaften sind dabei wichtig. Weiterhin möchte das Referat der Pflicht nachkommen, die Studierenden mit öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen und Publikationen zu informieren und einzubinden.

Das Referat für Politische Bildung wird mit seiner Arbeit kurzfristig interessante Vorträge, Workshops und Veranstaltungen über gesellschaftspolitische Themen anbieten, die das fachspezifische Curriculum an der Universität ergänzen. „Wir sehen das Studium nicht nur als Aneignung von Fachwissen, sondern auch als wichtigen Schritt zur Persönlichkeitsbildung. Deshalb werden wir auch Angebote zur politischen Bildung schaffen“, erklärt der Referent für Politische Bildung, Aljoscha Dalkner. Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Erinnerungskultur an unserer Universität. Hier plant der AStA ein uniweites Angebot zu erreichen, das die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust ermöglicht. Dabei soll die Aufarbeitung der Universitätsgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus vorangetrieben werden. Diese Aufgabe können wir allerdings nicht alleine lösen, hier kommt es auch auf die Kooperationswilligkeit der Universität an.

Das Referat für Gender und Diversity beschäftigt sich mit den in der Vergangenheit durch konservativen ASten kaum beachteten Themenbereichen von Gleichstellung und Diversität, wie etwa einer geschlechtergerechten Sprache, der Bekämpfung von Sexismus in der Wissenschaft und verschiedenen Diversitätskonzepten. So sollen kulturelle Veranstaltungen, wie zum Beispiel ein feministischer Poetry Slam und Konzerte, stattfinden. Damit soll die Studierendenschaft für diese Themenbereiche mittelfristig niedrigschwellig sensibilisiert und weitergebildet werden. „Langfristig wollen wir dazu beitragen, dass die Uni ein Raum frei von Diskriminierung jeglicher Art wird. Deshalb möchten wir uns zum Beispiel ganz konkret für die stärkere Anonymisierung von Prüfungsleistungen einsetzen und diesen bereits angestoßenen Prozess weiter begleiten“, erörtert Silke Hansmann, Referentin für Gender und Diversity.

Mit der Einrichtung eines Referates für Flucht und Migration setzt sich der AStA in diesem Jahr erstmals auch mit dem gesellschaftspolitischen Komplex der Asylpolitik und des Hochschulzugangs für Geflüchtete auseinander. Bereits im letzten Jahr hat eine bedeutende Zahl von Studierenden begonnen, sich im Rahmen der Willkommensbewegung für Geflüchtete zu engagieren. Viele selbstorganisierte Strukturen haben sich gebildet, die an unterschiedlichen Stellen aktiv werden und helfen wollen. „Aufgabe des Referats für Flucht und Migration im AStA ist es, gerade an dieses soziale und antirassistische Engagement anzuknüpfen und es zu befördern und zu stärken“ erklärt Rebekka Weber, Referentin für Flucht und Migration. „Das können wir als AStA konkret tun, indem wir die Basisarbeit dieser Initiativen unterstützen, Räume und Kapazitäten zur Verfügung stellen und zur Vernetzung und Austausch der verschiedenen Gruppen beitragen. Außerdem gilt es, den politischen Diskurs um Themen zu Flucht und Migration an der Hochschule präsent zu machen.“

Festival „contre le racisme“

Besonders freut sich der AStA, das Festival „contre le racisme“ im Sommersemester ankündigen zu können. Am Wochenende vom 17. und 18. Juni wird ein großes Outdoor-Programm mit Workshops, inhaltlichen Vorträgen und Konzerten veranstaltet, dass in Verbindung von Politik und Kultur auf rassistische Missstände in der Gesellschaft aufmerksam machen soll. Das Festival wird sich nicht an Gesichtspunkten von Profitinteressen orientieren, sondern verschiedenen antirassistischen Akteur*innen Gelegenheit geben, sich der breiten Studierendenschaft vorzustellen und für ihre Aktionen zu werben. „Neben lokalen antirassistischen Gruppen sollen überregionale Künstler die breite Masse für das Open Air mobilisieren. Wir stehen zu Zeit mit mehreren überregionalen Künstler in Kontakt und versuchen ein möglichst breites Line-Up aufzustellen. Die Studierenden dürfen gespannt sein“, verrät Aljoscha Dalkner abschließend zum Festival contre le racisme.

Fazit

Der AStA bedankt sich für das Vertrauen der Wähler*innen und nimmt die Wahlentscheidung als Auftrag, eine politische und emanzipatorische Studierendenvertretung zu bilden, die sich mit allen Mitteln für kritisches und selbstbestimmtes Studieren sowie das schöne Leben einsetzt. Dazu wird der AStA neben einem obligatorischen Serviceangebot eine bewusst politische Agenda einschlagen, die der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung einer Studierendenschaft über Campusgrenzen hinaus gerecht wird. Für die Studierenden möchten der AStA eine offene Plattform bieten, sodass alle Interessierten ihre Anliegen in ihre gewählte Studierendenvertretung einbringen können.

Der AStA der Uni Göttingen freut sich auf die kommende politische Arbeit und wünscht allen Studierenden einen gelungenen Start in das Sommersemester.

AStA Uni Göttingen, 11. April 2016

 

 

 

 

 

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