Evaluation des Sustainability-U4-Workshops in Uppsala

Vom 30.05.-31.05.2017 haben der aktuelle Referent für Ökologie und Nachhaltigkeit, Mischa Bareuther sowie die letztjährige Referentin für Ökologie und Nachhaltigkeit, Charlotte Meyer und der Göttinger Koordinator des Studium Oecologicum, Ray Wollenzien, im Vorfeld an einem Austauschtreffen zum Thema Nachhaltigkeit in der Lehre (SEDwise network Ghent University, “Universities as laboratories for a sustainable world/city”) teilgenommen.

Im Anschluss daran wurde zusammen mit dem Göttinger Nachhaltigkeitskoordinator Marco Lange sowie der Umweltbeauftragten Maria-Magdalena Schäfer der Universität Göttingen an einem zweitägigen thematischen Treffen (31.-01.06.2017) zum Thema Nachhaltigkeit der vier Universitäten des U4-Netzwerks teilgenommen. Es wurden beide Workshops besucht, auch um die lange Anfahrt annähernd zu rechtfertigen.

 

Sustainability education – SEDwise network meeting University Ghent


  • SEDwise ist ein internationales thematisches Netzwerk von Universitäten ausgehend von der Universität Gent zur gemeinsamen Untersuchung, wie Universitäten Lehre und Forschung verbinden, um Nachhaltigkeit als ein gesellschaftliches Thema zu erfassen und zu erforschen.
  • Hier war Raum für Austausch und Positivbeispiele von Nachhaltigkeit in der universitären Lehre, welche angesichts immer komplexer werdender sozio-ökologischer Problemstellungen Nachhaltigkeit als ein gesellschaftliches Thema erfassen und erforschen sollte, um Theorie und Praxis im Bereich Nachhaltigkeit effektiv zu verbinden. Hier wurde konkret über bereits bestehende Projekte im Bereich Nachhaltigkeit gesprochen, wie etwa CEMUS – Student-Led Education for a Better World, der Universität Uppsala und diese vorgestellt. So wurde das von Studierenden der Universität Uppsala ins Leben gerufene Projekt besucht und über deren selbst eingerichtete Kurse, etwa zu globaler Ökonomie, Klimapolitik, Umwelttechnologie und nachhaltige Entwicklung informiert. Es gab Raum für Gespräche mit den Studierenden, es konnten Kontakte geknüpft und Ideen gesammelt werden. Wie wäre wohl ein solches Projekt an der Universität Göttingen? Ist das Studium Oecologicum etwa nur der Anfang von Studierenden-initiierter Lehre?
  • Der SEDwise-Austausch war wertvoll, (relevante) Kontakte und Informationen können großteils aber auch ohne die weite Reise erhalten werden

Bei beiden Treffen tauschten sich Professor*innen, Doktorand*innen, Koordinator*innen, studentische Vertreter*innen und Mitarbeiter*innen mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit aus, indem sie Einrichtungen und Fortschritte an den Universitäten Gent, Groningen, Uppsala und Göttingen vorstellten, diskutierten und weitere, gemeinsame Schritte besprochen wurden.

So hatten die Studierenden beim Nachhaltigkeits-Treffen des U4-Netzwerks die Gelegenheit im kleinen Kreis mit erfahrenen Akteur*innen verschiedene Themen zu diskutieren und sich einzubringen. Diese wurden als Anregung für konkrete Projekte an den einzelnen Universitäten anschließend mit nach Hause genommen. Was daraus wird, liegt auch sehr stark an der Beteiligung der Studierenden, wie immer wieder betont wurde. Diese waren:

  • Nachhaltigkeitsempfehlungen der internationalen studentischen Arbeitsgruppe des U4 Netzwerkes an die Präsidien der vier Universitäten (Student Recommendations for the U4 Rector´s Meeting)
  • Was war seit dem thematischen Treffen zum Thema Nachhaltigkeit (Sep. 2016) an den vier Universitäten geschehen, Reflexion und Austausch (Frontrunner approach)
  • Gemeinsames Klimaschutzprojekt und Klima-Kompensationsmaßnahmen für Flüge der Mitarbeiter*innen der Universitäten (Sustainability Mobility Policy)
  • Gemeinsame Nachhaltigkeitserklärung der vier Universitäten (Joint Decleration for Sustainability)
  • Energiekonzept und universitäre Emissionsbilanzierung –> ökologischer Fußabdruck (Energy Policy)
  • Video-Konzept „Science-communication of sustainable research projects“ als mögliches Kommunikationstool für nachhaltige Forschungsprojekte
  • Green office-Konzept für studentische Mitarbeit
  • „Divestment“ der angelegten universitären Gelder aus fossilen Energien

 

Warum eine Teilnahme?


  • Der direkte Draht der Nachhaltigkeitsarbeit der U4-Arbeitsgruppe zu den jeweiligen Universitätspräsidien ermöglicht Teilhabe und konkrete Einflussnahme auf die Zielsetzungen. Eine nachhaltige Ausrichtung der Universität Göttingen muss dringend umgesetzt werden, da die Göttinger Universität nicht nur im Vergleich zu den anderen Universitäten in diesem Bereich noch wenig versiert wirkt. Durch das U4 Netzwerk ist zumindest die Universitätsleitung darauf aufmerksam und dafür offener geworden.
  • Durch die anhaltende, aktive Beteiligung der Studierenden im Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit lässt sich belegen, dass Nachhaltigkeit ein virulentes Thema in der Studierendenschaft ist, dass somit auf vielen Kanälen umgesetzt werden sollte.
  • Der Einsatz für Nachhaltigkeit ist wichtig und funktioniert insbesondere über Kooperation, kritische Begleitung und studentischen Input!
  • Die Forderung nach Nachhaltigkeits-Implementierung geht auch über (Konkurrenz-)Druck, aber besser durch Überzeugung (z.B. der Mitarbeiter*innen).

Die Finanzierung für die Studierenden der Universität lief über ein Stipendium, welches lediglich die Anfahrts- und Übernachtungskosten kompensierte. Verpflegung war bereits bei der Teilnahme der Workshops inklusive und kostenlos. So konnte eine Teilnahme für alle Interessierten möglich gemacht werden.

Pro
  • Durch den U4-Austausch (und studentischen Einfluss) wurde das Thema Nachhaltigkeit erst im Göttinger Universitätspräsidium verankert
  • Persönliche Kontakte wurden geknüpft, Positivbeispiele und Anregungen zur besseren Implementierung von Nachhaltigkeit an der Universität ausgetauscht (insbes. durch Veranstaltung zu Nachhaltigkeit in der Lehre)
  • Wichtigkeit des Themas in/durch U4 herausgestellt (6. Schwerpunkt der Zusammenarbeit)
  • Team Göttingen: Nachhaltigkeits-Fachleute haben gemeinsam am Treffen teilgenommen; der AStA arbeitet mit ihnen auch nach dem Treffen weiter eng zusammen, Folgetreffen 15.06.
  • Es geht um Nachhaltigkeitsausrichtung der Uni, Studis sollen und müssen hier direkt mitreden (und hatten beim U4-Treffen die Gelegenheit dazu)
  • Insbesondere die Universität Göttingen kann hier von den anderen U4-Universitäten sehr viel lernen und abschauen (erzeugt Druck bzw. Zugzwang)
  • Göttingen hat weiterhin hohen Nachholbedarf beim Thema Nachhaltigkeit! V.a. was konkrete Ziele angeht (z.B. Emissionsreduzierung), Evaluierung/Bilanzierung ökologischer Auswirkungen der Uni Göttingen sind bislang kaum vorhanden, hier bietet der Austausch mit den anderen Universitäten einen Rahmen.
Contra
  • Orga und Rahmen eher internationaler Konferenz-Standard à unnachhaltig trotz Thematik! (Catering, Teilnehmer*innen in teuren Hotels, Flüge)
  • Praktische Ergebnisse und konkrete Umsetzung der Empfehlungen des Treffens sind kritisch zu sehen (Einfluss auf Präsidium und konkrete Maßnahmen bleiben noch unklar), Maßnahmen müssen direkt an der Uni angefragt und umgesetzt werden.
  • Durch unterschiedliche Strukturen und Bürokratien an den vier Universitäten ist das Finden einer gemeinsamen Linie (konkrete Nachhaltigkeitsstrategie) schwer.
  • Tatsächlich besteht die Gefahr der Teilnahme an akademischen internationalen Konferenzen lediglich, weil es „nett“ ist/ privilegiert scheint.
  • Top-down durch vom Präsidium beschlossene Maßnahmen, statt Betroffene aufzuklären und „mitzunehmen“. Z.B. durch Nachhaltigkeitsbotschafter*innen an den Fakultäten.
  • Ziele des U4-Netzwerkes orientieren sich allgemein stark am Exzellenz-Wettbewerb.
  • Es ist zu kritisieren, dass sich die Universitätsleitung nur im Rahmen dieses Exzellenz-Wettbewerbs für Nachhaltigkeit zu interessieren scheint und nur durch Konkurrenzdruck zu Maßnahmen in diesem Bereich zu bewegen ist, dies spricht der Universität ein Stück weit die Kompetenz zu eigenständigem und verantwortungsvollem Verhalten ab.

 

Fazit


Auch wenn der Rahmen dieser Workshops wie erwartet zu bemängeln ist, was Standards einer nachhaltigen Universität betreffen würde, so war der Inhalt sehr gut, die Gespräche und der Austausch anregend und wichtig für das gemeinsame, weitere Vorgehen für ein Nachhaltigkeitskonzept der Universität Göttingen, an dem (Nachhaltigkeits-) Koordinator*innen, Umweltbeauftragte und interessierte Studierende weiterarbeiten werden. Ein nächstes gemeinsames Treffen fand bereits am 15.06. statt. Welche konkreten Maßnahmen nachfolgend umgesetzt werden, wird maßgeblich bestimmen, wie das Treffen im Nachhinein zu bewerten ist.

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