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Was heißt hier eigentlich Zivilisationsbruch? Bundesrepublikanische Gedächtnisdiskurse zur NS-Vergangenheit

9. Februar @ 18:00 - 19:45

Vortrag und Diskussion mit Cornelia Siebeck

Der ›richtige‹ Umgang mit der NS-Vergangenheit war in der Bundesrepublik von Beginn an zentrales Thema öffentlicher Gedächtnis- und Identitätsdiskurse. Jahrzehntelang konkurrierten dabei zwei gegensätzliche Muster historische Sinnbildung: Während die einen versuchten, das Gedächtnis an diese Vergangenheit zu relativieren, um eine ›heile‹ Geschichte und nationale Identität zu erzählen, wollten andere sie als radikalen ›Bruch‹ und anhaltendes Irritationspotenzial für die jeweilige Gegenwart im öffentlichen Geschichtsbild verankert wissen.

Unter den spezifischen Bedingungen des deutschen nation building nach 1990 wurde diese anhaltende Konfliktkonstellation weitestgehend aufgelöst: Das negative Gedächtnis an den ›Zivilisationsbruch‹ avancierte mitsamt einer repräsentativen Gedenklandschaft an die NS-Verbrechen zur geschichtspolitischen Staatsräson. Zugleich wurde dieses offensive Gedenken an die NS-Vergangenheit zum symbolischen Garanten einer demokratischen Überwindungs- und Erfolgsgeschichte erklärt, in der die ›richtigen Lehren‹ immer schon gezogen sind.

Diese Entwicklungen sollen im Vortrag schlaglichtartig nachvollzogen werden, um dann einige Ambivalenzen des geschichtspolitischen Status Quo zu beleuchten. Im Anschluss soll gemeinsam diskutiert werden, welche Implikationen die aktuellen politischen Umwälzungen für den bundesrepublikanischen Gedächtnisdiskurs zur NS-Vergangenheit haben könnten: Wird sich die hegemoniale Meistererzählung vom ›glücklichen Ende‹ der Geschichte aufrecht erhalten lassen? Wie werden sich die Enttabuisierung sozialdarwinistischer und rassistischer Positionen und das verbreitete Ressentiment gegen den vermeintlichen ›Schuldkult‹ perspektivisch auf die bundesrepublikanische Geschichtspolitik und Gedächtniskultur auswirken?

Cornelia Siebeck, Historikerin, forscht und publiziert zu gedächtniskulturellen und geschichtspolitischen Fragestellungen. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sozialtheorie und Sozialpsychologie der Ruhr-Universität Bochum.

Details

Datum:
9. Februar
Zeit:
18:00 - 19:45

Veranstaltungsort

ZHG 005
Platz der Göttinger Sieben 5
Göttingen, 37073 Deutschland
Webseite:
http://www.geodata.uni-goettingen.de/lageplan/?ident=5257_1_EG_0.155

Veranstalter

AStA Uni Göttingen
Telefon:
0551 39 4564
E-Mail:
info@asta.uni-goettingen.de
Webseite:
https://asta.uni-goettingen.de