March for Sience Göttingen

Der AStA unterstützt ausdrücklich den „March for Sience Göttingen“ am 22. April. Wir rufen alle Studierenden dazu auf, an diesem Tag auf die Straße zu gehen und ein Zeichen für die Wissenschaft und ihre Freiheit zu setzen!

Der „Sience March Göttingen“ nimmt die zum gleichen Zeitpunkt und ebenfalls unter diesem Motto in den USA laufenden Demonstrationen gegen die dortigen Kürzungen in der Wissenschaftsförderung zum Anlass, Solidarität mit den Forscher*innen in den Vereinigten Staaten zu zeigen und gleichzeitig weltweit ein Zeichen für die Wissenschaftsfreiheit zu setzen.

Als angehende Wissenschaftler*innen ist es auch an uns Studierenden für diese Ziele einzutreten und uns in der Gesellschaft bemerkbar zu machen. Dabei dürfen wir aber nicht in blinden Antiamerikanismus verfallen, mit dem Finger auf die USA zeigen und abschätzig feststellen, dass es „bei uns in Europa/ Deutschland“ ja viel besser sei. Vielmehr sollten wir diese Entwicklung zum Anlass nehmen, auch einen kritischen Blick auf unser eigenes Wissenschaftssystem zu richten. Denn auch „bei uns“ ist längst nicht alles nur „great“.

Die Universitäten werden immer mehr wirtschaftlichen Zwängen unterworfen, die sich auch auf die Forschung auswirken. So verharrt die Grundfinanzierung der Hochschulen auf niedrigem Niveau. Stattdessen sollen sogenannte Drittmittel die Lücken füllen. Dies kann dann zum Problem werden, wenn hinter der Förderung die Interessen der Geldgeber*innen stehen und diese Einfluss auf die Forschung und ihre Ergebnisse nehmen. Dies ist gewiss nicht allgemein der Fall, verstärkt aber die Tendenz zur vorauseilenden Anpassung der Forschung. Wer zu Themen forscht, die von finanzstarken Unternehmen gern gefördert werden und vielleicht auch unabhängig der Förderung schon zu den gewünschten Ergebnissen kommt, hat im System von Angebot und Nachfrage, an dem sich dann auch der Erkenntnisgewinn zu orientieren hat, bessere Chancen. Die Exzellenz-Initiative greift einzelne Universitäten heraus, die mit vielen Millionen Fördergeldern zu Leuchtturmprojekten der Forschung werden sollen. Dabei kommt nicht nur die Breitenförderung von Forschung und Lehre zu kurz. Auch werden in den „exzellenten“ Universitäten selbst Forschungscluster gebildet, denen in den entsprechenden Fakultäten zu folgen ist. Wer nicht passt, hat keine Chance oder wird, so dies möglich ist, vor die Tür gesetzt.

Im vergangenen Jahr erst wurde bekannt, dass die Universitätsleitung ohne Not den renommierten Antisemitismus- und Rechtsextremismusforscher Prof. Dr. Samuel Salzborn vor die Tür setzt. Die Gründe schienen dabei ständig zu wechseln, letztlich zog man sich auf ein vorgeschobenes rechtliches Argument zurück, ohne jedoch zu erwähnen, dass auch dies der Universität die Möglichkeit gegeben hätte, Salzborn unbefristet zu verlängern, wenn man nur gewollt hätte. Über die wahre Motivation konnte nur gemutmaßt werden, doch Medien und die studentische Vertretung an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät sahen den Grund in Prof. Salzborns Wissenschaftsverständnis. Im Gegensatz zur Universitätsleitung, die sich eine Hochschule ohne Konflikte im Elfenbeinturm zu wünschen schien, mischt sich Salzborn bis heute immer wieder aktiv und durch seine wissenschaftlichen Arbeiten fundiert in gesellschaftliche Debatten ein. Und genau darin sieht auch der AStA die Pflicht der Wissenschaft. Wissensproduktion und Erkenntnisgewinn nur für eine kleine Community an Fachleuten, mag zwar viel Bestätigung bringen, bleibt aber selbstreferenziell. Aufgabe von Wissenschaft muss es auch immer sein, die eigenen Inhalte zu vermitteln und sich im Zweifelsfall einzumischen. Gerade in Zeiten, in denen „alternative Fakten“ und Verschwörungstheorien als letzte Wahrheiten präsentiert werden, darf Wissenschaft nicht bloß im analytischen Blick auf das, was ist verharren. Besonders die in den USA von massiven Kürzungen, aber auch in Deutschland immer wieder von Marginalisierung bedrohten Sozial- und Geisteswissenschaften, müssen auch formulieren können, was sein soll und dies empirisch und theoretisch unterfüttern können.

Wir rufen daher alle Studierenden – und auch alle anderen Interessierten – dazu auf, am 22. April 2017 um 11 Uhr zum Gänseliesel zu kommen und für die Freiheit der Wissenschaft auf die Straße zu gehen!

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