Pressemitteilung: 15 Jahre Bologna – es bleibt noch einiges zu tun!

Am 19. Juni jährte sich zum 15. Mal die Unterzeichnung der Bologna-Erklärung. Ziel war ursprünglich bis 2010 einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen und hierdurch u.a. die Mobilität der Studierenden, die europäische Dimension der Hochschulbildung und die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu fördern. Später kamen verschiedene andere Ziele hinzu, z.B. die Förderung des lebenslangen Lernens oder die Schaffung von Transparenz mittels eines Qualifikationsrahmens. Heute, 2014, mit Genugtuung ein „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ auszusprechen, wird der Komplexität der Vorgänge und der noch zu bewältigenden Aufgaben bei weitem nicht gerecht.

Hierzu erklärt Christian Cordts, Hochschulreferent: „Eines der Kernziele des Bologna-Prozesses sollte sein, die Mobilität der Studierenden zu fördern. Zwar ist das Erasmus-Programm der EU in aller Munde, aber bei näherem Hinsehen zeigen sich noch viele Baustellen. Zunächst ist zwischen freiwilliger und erzwungener Mobilität zu differenzieren. Studierende philologischer Fächer sind oftmals gezwungen, einen Auslandsaufenthalt einzulegen. Daher sind in diesen Bereichen die Zahlen natürlich höher und verfälschen den Gesamtschnitt. Weiterhin ist noch längst nicht zu allen Lehrenden vorgedrungen, dass im Ausland erbrachte Studienleistungen, gemäß der Lissabon-Konvention, anzuerkennen sind, sofern keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Modulen bestehen. Und obwohl die Beweislast eigentlich bei den Lehrenden liegt, fordern sie noch zu oft die Einreichung von Literaturlisten oder betreiben kleinteilige Creditrechnerei. Die Hochschulen sind hier zur Nachsteuerung angehalten!“

Jonas Richter, Außenreferent, ergänzt: „Der Bologna-Prozess sah die Schaffung einer dreistufigen Studienstruktur vor, bestehend aus Bachelor-, Master- und Doktoratsebene. In Deutschland wurde zusätzlich der Bachelor zum offiziellen „Regelabschluss“ deklariert, mit oftmals negativen Folgen für die Studierenden. Denn in der Wirtschaft mag zwar ein BWL- Bachelor willkommen sein, in der Chemie ist er jedoch nicht etabliert, sowie oft nur ein zwingender „Zwischenschritt“ zum Doktortitel und für ein Lehramt ist weiterhin zwingend ein Master-Abschluss von Nöten. Von einer generellen Beschäftigungsbefähigung der Bachelor-Absolventen zu sprechen, geht daher an der Realität vorbei. Starre NCs oder Übergangsquoten, wie sie oftmals vorhanden sind, haben daher negative Folgen für die Studierenden und letztlich die Gesellschaft. Deswegen erneuert der AStA seine Forderung nach offenen Masterzugängen.“

AStA Uni Göttingen, 24. Juni 2014

15 Jahre Bologna – es bleibt noch einiges zu tun! (24.06.2014)