PRESSEMITTEILUNG: STUDIERENDENSCHAFT FORDERT KURSWECHSEL FÜR UNIVERSITÄT

Mit großer Enttäuschung nahmen der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und die stellv. studentische Senatorin Anika Bittner die vernichtende Entscheidung der Exzellenzkommission zu den vier Clusteranträgen der Georgia Augusta vom vergangenen Donnerstag auf. Zwar wurde der Exzellenzcluster „Multiscale Bioimaging“ unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Biophysikalische Chemie, der Fakultät für Chemie und der Universitätsmedizin positiv beschieden, allerdings war die Erfolgsquote der Universität Göttingen mit 25% weit unter der durchschnittlichen Quote anderer Hochschulen.

Die Studierendenschaft der Universität Göttingen fordert daher einen Kurswechsel für die Universität, eine neue strategische Ausrichtung ist dringend nötig. „Die gesamte Universitätsgemeinschaft muss nun offen in den Diskurs eintreten: Was zeichnet die Georgia Augusta aus?“, kommentiert der AStA-Vorsitzende Rene Rahrt und ergänzt: „Unsere Universität sollte nun die Chance für einen Kurswechsel nutzen und den Bereich Studium und Lehre fokussieren. Dort liegt großes Potenzial für exzellente Lehre und ein digitales Lernumfeld.“

Mit einem ausbleibenden zweiten Cluster ist die Universität Göttingen nicht für die Bewerbung auf den Titel „Exzellenzuniversität“ antragsberechtigt, in der die generelle Universitätsstruktur evaluiert worden wäre. Die erfolgreiche Teilnahme in dieser zweiten Phase wäre für die Universität von essentieller Wichtigkeit gewesen, um ein Qualitätsaudit für die strukturelle Aufstellung der Universität und viele Millionen Euro für die Finanzierung strategiebasierter Projekte zu erhalten.

Vertreterinnen und Vertreter des AStA und die stellv. studentische Senatorin kritisieren, dass die strategische Ausrichtung der Universitätsleitung in den vergangenen zwei Jahren ausschließlich auf der Erlangung des Exzellenztitels lag und die zukunftsorientierte Qualitätssicherung im Sinne der Studierenden vernachlässigt wurde. Die für die Exzellenzstrategie aufgewendeten finanziellen und personellen Ressourcen hätten in die bauliche und digitale Infrastruktur sowie die Optimierung der Lehr- und Lernbedingungen investiert werden müssen. Diese exklusive Schwerpunktsetzung der Präsidentin zahlte sich nun nicht aus und daher sind Projekte, die aus der Spekulation auf die Exzellenzsummen heraus entstanden sind, grundlegend zu hinterfragen und die Ausgabenpolitik der Universität anzupassen. Der Außenreferent des AStA, Dominik Bollendorf, findet: „Eine Rückbesinnung auf die Grundaufgaben der Universität ist nun geboten. Das bedeutet auch, dass ab sofort keine Eigenmittel der Universität mehr für Prestigeprojekte wie das Forum Wissen genutzt werden dürfen! Auch institutionelle Strukturen, die für die Koordination der Exzellenzcluster eingerichtet wurden, sind intensiv zu reflektieren.“

Das Präsidium muss das Urteil der Exzellenzkommission als Niederlage anerkennen; der vergangene Donnerstag muss einen Wendepunkt in der generellen Universitätsstrategie markieren. Die stellv. studentische Senatorin Anika Bittner meint dazu: „Wir Studierenden stehen weiterhin geschlossen hinter der Universität. Um auch in Zukunft mit den Exzellenzuniversitäten in Deutschland und weltweit konkurrieren zu können, brauchen wird ein Alleinstellungsmerkmal. Wir fordern daher eine Exzellenzoffensive für Studium und Lehre.“

Die Studierendenschaft ist bereit, einen ehrlichen Neuanfang mit der Universität zu wagen. Dafür ist aber die gleichberechtigte Einbindung aller Akteure der Universitätsgemeinschaft nötig. Nur in einem partnerschaftlichen Miteinander aus Universität, Studierenden und Mitarbeitern kann eine neue Universitätsstrategie entwickelt werden – und diese ist dringend nötig.

Unabhängig von den Einzelscheidungen für die Universität Göttingen erscheint die wissenschaftsbasierte Entscheidungsfindung der Kommission einen Schwerpunkt auf die Förderung von naturwissenschaftlich-technischen Clustern in der Fläche des Bundesgebietes gelegt zu haben. Vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels und einer politischen Polarisierung der Bevölkerung überrascht es, dass nur ein Siebtel der geisteswissenschaftlichen Anträge bewilligt wurde.

 

PM: Studierendenschaft fordert Kurswechsel für Universität