Deutschlandstipendium: Nur ein Tropfen auf den heissen Stein

Heute abend werden im Rahmen einer Zeremonie 136 Studierenden unserer Hochschule ihre Deutschlandstipendien verliehen. Wir beglückwünschen dabei selbstverständlich all jende, die erfolgreich darin waren und durch exzellente Noten und Engagement herausstechen!

Doch zugleich finden wir es höchst bedenklich, dass das Deutschlandstipendium weiterhin deutlich davon entfernt ist, die von der Politik vorgegebene Marke von 2 Prozent der Studierenden zu erreichen. Insbesondere deswegen, weil die Quote an Studierenden zumindest an unserer Hochschule stagniert.

Während es im letzten Jahr bei etwa 28.000 Studierenden 128 profititerten, so sind es nun bei über 30.000 Studierenden 136 Personen. Damit ist die tatsächliche Empfangsquote sogar minimal gefallen. Insofern sind die Jubelbotschaften des Präsidiums gerade aufgrund der hohen Verwaltungskosten mit Vorsicht zu genießen.

http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=5365

Studieren weltweit!

Der DAAD hat heute sein neues Programm „studieren weltweit“ zur Förderung des Auslandssemesters vorgestellt. Mit verbesserter Information soll es uns leichter gemacht werden ins Ausland zu gehen und dort neue Erfahrungen zu sammeln.

Dies ist ein Schritt auf dem Weg das im Koalitionsvertrag vorgesehene Quote von 50 % Studierenden, die ein Auslandssemester vorweisen können, zu erreichen.

Ihr könnt euch auf folgender Homepage einen eigenen Eindruck davon verschaffen. Wir meinen: Schaut auf jeden Fall interessant aus, ob es größeren Einfluss hat, wird man in den kommenden Monaten genauer evaluieren müssen. Ohne eine gesicherte Anerkennung an anderen Hochschulen erbrachter Studienleistungen ist zumindest nicht mit einer deutlichen Erhöhung der Quote zu rechnen.

https://www.studieren-weltweit.de/

Was wünschen sich Studienanfänger von der Hochschule?

Genau diese Frage versucht eine aktuelle Studie des Bundesbildungsministeriums in Zusammenarbeit mit Bildungsforschern der Universität Konstanz.

Immer noch wird von den Studierenden vor allem fehlender Praxisbezug wie auch zu große Lehrveranstaltungen bemängelt. Die Unzufriedenheit nimmt jedoch langsam ab, so dass von einer leichten Verbesserung ausgegangen werden kann. Besonders Medizinstudierende zeigen sich besonders unzufrieden mit den Angeboten der Hochschule. 

Es bleibt also noch viel zu tun, um die eminent wichtige Studieneingangsphase zu entlasten und Studierende vom Abbruch ihres Studiums abzubringen.

Die gesamte Studie könnt ihr hier nachlesen: https://www.bmbf.de/files/Eingangsphase_Gesamtdatei_Oktober2015.pdf

AStA trifft sich mit der Bundesbildungsministerin

Mittwoch und Donnerstag dieser Woche, 9.-10. September, sind Vertreter des AStA nach Berlin gekommen, um dort Eure Interessen auch auf Bundesebene zu vertreten. Rund eine Stunde nahm sich dabei die Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka, um mit uns zu sprechen. Darüber hinaus konnten wir mit dem Göttinger Physiker und Mitglied des Bildungsausschusses des Deutschen Bundestags Stephan Albani sowie dem Göttinger Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler MdB diskutieren. Außerdem nutzten wir die Gelegenheit, um der Plenardebatte über den Etatplan Bildung und Forschung zu lauschen und mehr über den neuen Schwerpunkt „Digitalisierung von Bildung“ zu erfahren.

Wir machten uns in den Gesprächen unter anderem dafür stark, erstens endlich eine ernsthafte Reform des BAFöG auf den Weg zu bringen. Zweitens dürfen Fachhochschulen nicht auf Kosten der Universitäten verstärkt und Unterschiede nivelliert werden, sondern ihnen allein das Promotionsrecht zu belassen. Drittens muss die Exzellenzinitiative überdacht werden, Lehre stärker berücksichtigt und weniger Projekte besser gefördert werden. Viertens haben wir Lösungsvorschläge für das Problem hoher Studienabbrecherzahlen diskutiert und dabei insbesondere die bessere Vermittlung von Abbrechern in Lehrberufe wie im Switch Die Full-Service-Agentur für Studienabbrecher-Pilotprojekt angemahnt. Fünftens und abschließend brachten wir unseren Wunsch nach einem Dachverband der Studierendenschaften zum Ausdruck, der sich allein mit studentischen Themen befasst und nicht in Diskussionen über andere Themen verliert.

Jürgen Trittin im AStA

Heute konnten wir einen ganz besonderen Gast zu einem Gespräch im AStA begrüßen: Den Göttinger Bundestagsabgeordneten und früheren Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen). Mit ihm hatten wir die Gelegenheit über die Nachteile des deutschen Bildungsföderalismus, die Rolle Göttingens in seiner Tätigkeit und die Idee und Umsetzung des Bologna-Prozesses zu sprechen. Wir danken dem vielbeschäftigten Politiker für die Gesprächsmöglichkeit.

Wir freuen uns sehr darüber, dass wir in Göttingen gleich von drei namhaften Bundestagsabgeordneten aus den Fraktionen der CDU, SPD und der Grünen vertreten werden und wir bereits zwei von diesen treffen konnten. Die Region und damit auch die Universität wird von diesen engagiert vertreten.

Deutschlandstipendium: Kein Erfolgskonzept!

Grafik zu den durch das Deutschlandstipendium geförderten Studierenden seit 2011.

Geförderte Studierende30

Tolle Dinge kann das Bundesministerium für Bildung und Forschung zum Deutschlandstipendium verkünden: Um stolze 14% habe die Zahl der Stipendienempfangenden im letzten Jahr zugenommen. Ein Grund zum Feiern? Keinesfalls! Denn 14% Steigung bei ca. 0,75% gefördete Studierende in 2013 ist immer noch nur ein Tropfen auf den heißen Stein!

Mal ganz im Ernst: Weniger als ein Prozent der Studierenden profitiert von dieser Förderung. Und selbst das heruntergeschraubte Ziel irgendwann einmal zwei Prozent (früher: acht) der Studierenden zu erreichen würde bei gleichem Wachstum erst 2028 erreicht. Aktuell werden außerdem gut 20% der Fördersumme für die Verwaltung aufgewendet – ein extrem hoher Wert. Darüber hinaus handelt es sich um ein sozial ungerechtes Modell, da wohlhabendere Studierende deutlich überrepräsentiert sind. Der Anteil an BAföG-Empfangenden liegt hier um etwa ein Drittel niedriger als in der gesamten Studierendenschaft.

Wir fordern deshalb das Ende dieses Programms und stattdessen eine Erhöhung der BAföG-Förderung. Wir brauchen keine geförderte Elite, sondern viele kluge Köpfe in unserem Land.

Näheres könnt Ihr zum Beispiel diesem Presseartikel entnehmen:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/deutschlandstipendium-fuer-nur-ein-prozent-der-studenten-a-1036031.html

Politiker zu Besuch im AStA

Vorgestern und gestern hatten wir als AStA Gelegenheit, uns mit Bundes- und Landespolitikern über bildungspolitische Themen zu unterhalten. Dabei konnten wir neue Einblicke in aktuelle Sachstände gewinnen.

Vorgestern beehrte uns der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler. Mit ihm konnten wir über die Rolle Göttingens in seiner Arbeit sprechen, sowie die Rolle von Studiengebühren und Bundesförderung für die Hochschulen diskutieren.

Gestern besuchte uns der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Jörg Hillmer. Er berichtete uns über seinen Kenntnisstand zur Novelle des Niedersächsischen Hochschulgesetzes (NHG), über Pläne zur Stärkung der Universitäten und die finanzielle Ausstattung der Studentenwerke.

Außerdem hatten wir durch die Gespräche gleich zwei mal die Möglichkeit, die Positionen der Politik zum geplanten „Haus des Wissens“ am Bahnhof zu erfahren.

 

Ähnliche Treffen mit den Vertretern anderer Fraktionen und regionaler Bundespolitiker sind bereits in Planung. Einen festen Termin haben wir bereits mit der bildungspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag, Silke Lesemann, vereinbart.

Heute vor 60 Jahren: Universität steht still

Spiegel Cover zur Ernennung von Leonhard SchlüterAm 26. Mai 1955 ereignete sich ungeheuerliches in Göttingen: Der Senat und die Universitätsleitung traten zurück, der AStA schloss sich diesem Votum an und tags darauf beteiligten sich beinahe alle Studierenden an einem Generalstreik. Nur drei Vorlesungen mit zusammen 25 Hörern fanden statt. Studierende brachten mit Fackelzügen ihr Besorgnis zum Ausdruck. Was war geschehen?

Auf den Tag genau vor 60 Jahren ernannte der niedersächsische Landtag den völkischen und rechtsextremen Verleger Leonhard Schlüter zum neuen Kultusminister, der fortan Professoren ernennen sollte. Aus Protest gegen diese Entscheidung legten die Vertreter der Universität ihre Ämter nieder. Sie konnten nicht mit einem solchen Vertreter zusammenarbeiten und sahen die Errungenschaften der jungen Bundesrepublik in Gefahr.

Dieser Protest zeigte Wirkung und schlug Wellen. Der Spiegel (siehe oben, Artikel im Volltext hier: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31970497.html) machte mit diesem Thema auf. Schon wenige Tage später wurde der öffentliche Druck zu groß und am 11. Juni 1955 musste Schlüter zurücktreten – ein bis heute leuchtendes Beispiel für die Verteidigung der Hochschulautonomie vor politischen Eingriffen.

Koalitionsspitzen fordern Exzellenzelite

Bei ihrer Zusammenkunft am gestrigen Donnerstag in der historischen Aula unserer Universität am Wilhelmsplatz vereinbarten die Fraktionsspitzen der regierenden SPD und CDU/CSU-Fraktionen im Bundestag die Fortführung der Exzellenzinitiative. Mehr als vier Milliarden Euro sollen aus Bundesmitteln in die Hochschulen fließen.

Grundsätzlich ist mehr Geld für die klammen Hochschulen natürlich ein positives Signal: Trotzdem stehen noch einige Fragezeichen am Ende dieser Pläne. Denn in der Neuauflage dieser bekannten Initiative sollen weit weniger Hochschulen als bisher gefördert werden. Die Zeitung „Die Welt“ sorgt sich deshalb gar um die Entstehung einer „Zweiklassenuniversitätslandschaft“, zwischen den erfolgreichen und finanziell gut ausgestatteten Spitzenunis einerseits und dem Mittelfeld andererseits.

Außerdem wird weiterhin nur die FORSCHUNGSleistung von Universitäten honoriert, während nicht näher auf die LEHRE eingegangen werden soll. Vom klassischen humboldtschen Bildungsideal entfernt sich die Bildungspolitik damit noch weiter als ohnehin schon.

Der Bund konterkariert damit die eigenen (und von der OECD so oft angemahnten) Anstrengungen einer Bildungsexpansion und hinterlässt genau das, was er mit seinem Eingreifen in Bildungsangelegenheiten verhindern wollte: Stückwerk!

Der AStA der Universität Göttingen fordert daher, die Interessen der Studierenden und Leistungen in der Lehre in den Exzellenzbetrachtungen stärker zu berücksichtigen. Nur so kann eine nachhaltige Förderung von Bildung erfolgen.

Weitere Infos: http://www.welt.de/politik/deutschland/article139671707/Vier-Milliarden-Euro-fuer-die-besten-Hochschulen.html