Informationsangebot für Studierende mit psychischen Beschwerden für die Suche nach einem* einer Psychotherapeut*in

Disclaimer: Wir haben diese Informationssammlung in Zusammenarbeit mit der Psychotherapeutischen Ambulanz für Studierende (PAS) für euch zusammengestellt und hoffen, dass sie euch ein bisschen hilft. Es kann sein, dass die eine oder andere Information noch fehlt oder ihr andere Erfahrungen macht/gemacht habt. Dies bitten wir zu entschuldigen.

Einleitung

Anders als für unseren Körper gibt es für unsere Psyche leider keine Routinekontrollen bei Ärzt*innen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass wir selbst auf uns achten und darauf, wie es unserer Psyche geht. Gerade bei der Psyche ist es oft nicht leicht die Zeichen zu deuten, da sie weniger eindeutig sind als zum Beispiel Zahnschmerzen oder ein gebrochener Arm. Generell gilt jedoch, wenn du dir unsicher bist, ist es besser lieber einmal zu einer professionellen Person zu gehen und deine Bedenken und Probleme zu besprechen. Manchmal reicht schon ein einzelnes Gespräch mit einem*r Therapeut*in, um Dinge wieder klarer zu sehen.

Wann brauche ich professionelle Hilfe?

Ob man professionelle Hilfe braucht, ist oft sehr schwer einzuschätzen, denn es gibt keine klare Grenze. Meist sind die Probleme und deren Wahrnehmung sehr individuell. Es ist völlig normal, dass man am Anfang sehr unsicher ist. Es ist aber wichtig, das eigene Leiden ernst zu nehmen. Vielleicht hilft es erst einmal mit Personen deines Vertrauens darüber zu sprechen oder sich Hilfe bei einer Beratungsstelle zu suchen. Von der Uni gibt es zum Beispiel die Psychosoziale Beratungsstelle oder die Psychotherapeutische Ambulanz für Studierende (Kontaktdaten siehe unten). Die Mitarbeitenden können dich bei deinen Problemen und Fragen beraten und dir gegebenenfalls helfen einen Therapieplatz zu finden.

Zu langes Abwarten ist bei psychischen wie bei physischen Krankheiten nicht die beste Idee, denn auch psychische Krankheiten können sich verschlimmern, wenn sie unbehandelt bleiben.

Sich professionelle Hilfe zu holen heißt nicht gleich eine Therapie machen oder Medikamente einzunehmen, am Anfang gibt es immer ein (oder mehrere Gespräche) mit dem*der Therapeut*in. Es kann sehr hilfreich sein, die Situation von einer Person mit professionellem Hintergrund einschätzen zu lassen und Ratschläge für die weitere Vorgehensweise zu bekommen.

Link zur Psychosozialen Beratungsstelle (PSB):
https://www.studentenwerk-goettingen.de/beratung-soziales/psb

Link zur Psychotherapeutische Ambulanz für Studierende (PAS):
http://www.pas.uni-goettingen.de/

Wie finde ich eine Therapeutin?

Um einen Therapieplatz zu finden, kannst du online nach Therapeut*innen in deiner Nähe suchen und in den Sprechzeiten anrufen. Diese findest du entweder online oder sie werden auf dem Anrufbeantworter der*s Therapeut*in genannt. Auch deine Hausarztpraxis kann eine erste Anlaufstelle für die Suche nach einer Psychotherapie sein, du brauchst aber keine Überweisung, sondern kannst auch direkt bei einem*einer Therapeut*in anrufen. Am Anfang fragst du am besten nach einem Termin für ein Erstgespräch. Es passiert häufig, dass man nicht bei der ersten Praxis einen Termin bekommt, dann nicht aufgeben, sondern einfach weiter probieren.

Folgende Links können hilfreich bei der Suche sein:

  1. Arztauskunft Niedersachsen: Hier findest du alle in Niedersachsen niedergelassenen Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen mit Kassenzulassung. Einfach Fachgebiet „Psychotherapie“ auswählen:
  2. Generell findest du alle Psychotherapeut*innen deutschlandweit auf der Seite der Bundespsychotherapeutenkammer unter folgendem Link:
  3. Wenn sich die selbstständige Suche nach einem*einer Psychotherapeut*in als schwierig rausstellt oder du einfach nicht die Kraft hast, bei vielen verschiedenen Leuten anzurufen, kannst du dich an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung wenden. Sie vermitteln dir zeitnah einen Termin bei einem*einer Psychotherapeut*in in deiner Nähe. Die genauen Sprechzeiten und Kontakte findest du hier:
Die ersten Schritte zur Therapie

Die Psychotherapeutische Sprechstunde:
Wenn du das erste Mal zu einem*r Therapeut*in gehst, findet dies im Rahmen der sogenannten psychotherapeutischen Sprechstunde statt. In dieser werden deine psychischen Beschwerden und ob du eine Behandlung benötigst, besprochen. Die psychotherapeutische Sprechstunde dient einem ersten Kennenlernen und einer Einschätzung der aktuellen Situation und Problematik. Insgesamt können bis zu sechs Termine je 25 Minuten für die Sprechstunde vereinbart werden. Oft werden Termine jedoch zusammengelegt, sodass es drei Termine mit je 50 Minuten sind.

Die Probatorischen Sitzungen:
Wenn die Sprechstunden gut verlaufen sind und du eine Therapie beginnen möchtest, kommen zunächst die sogenannten probatorischen Sitzungen. In denen kannst du prüfen, ob du mit dem*der Therapeut*in zurechtkommst und eine Psychotherapie für dich das Richtige ist. Zwei probatorische Sitzungen sind verpflichtend, wie viele darüber hinaus von der Krankenkasse übernommen werden, kann variieren (oft sind es 4). Am Ende dieser Sitzungen wird gemeinsam mit dem*der Therapeut*in ein Therapieantrag gestellt.

Akutbehandlung:
Wenn du dringend Hilfe benötigst und der*die Therapeut*in das in der Sprechstunde ebenfalls feststellt, bekommst du eine schriftliche Empfehlung für eine Akutbehandlung. Diese schriftliche Empfehlung benötigst du besonders dann, wenn der*die Psychotherapeut*in selbst keine Termine mehr frei hat. Eine Akutbehandlung besteht aus bis zu 24 Gesprächseinheiten à 25 Minuten. Auch diese können zusammengelegt werden.

Die Diagnose

Vor dem Beginn der psychotherapeutischen Behandlung (also nach den probatorischen Sitzungen) stellt der*die Therapeut*in eine Diagnose. Bei leichten Beschwerden wird am Anfang erstmal eine Verdachtsdiagnose gestellt. Lass dir die Diagnose von deinem*deiner Therapeut*in in einfachen Worten erklären.

Informationen zu einigen Diagnosen findest du hier:
https://www.bptk.de/patientinnen/psychische-krankheiten/#1603089159235-c64e1d3a-2e9e

Verfahren

Es gibt verschiedene Verfahren, mit denen man psychische Erkrankungen behandeln kann. Diese haben unterschiedlich Fokusse und wirken auch unterschiedlich gut, je nach Art der psychischen Erkrankung. Wenn du unsicher bist, ob das Verfahren des*der Therapeut*in zu dir passt, sprich das an. Dein*e Therapeut*in wird dich auch in dieser Hinsicht beraten und mit dir den besten Weg für eine Behandlung suchen.

Eine genaue Erläuterung der einzelnen Verfahren findest du hier:
https://www.wege-zur-psychotherapie.org/die-behandlung-in-der-praxis/#verfahren

Psycholog*in, Psychotherapeut*in & Psychiater*in?

Psycholog*in
Ein*e Psycholog*in hat Psychologie im Bachelor und im Master studiert und kann in verschiedensten Berufsfeldern tätig sein. Viele Psycholog*innen absolvieren anschließend an ihr Studium noch eine Weiterbildung zur psychologischen Psychotherapeut*in. Erst dann dürfen sie Psychotherapie anbieten.

Psychotherapeut*in
Ein*e Psychotherapeut*in hat entweder Psychologie, Pädagogik oder soziale Arbeit studiert und im Anschluss eine Ausbildung zur Therapeut*in absolviert. Sein*Ihr Titel ist durch die Approbation geschützt und er*sie arbeitet mit wissenschaftlich anerkannten Verfahren der Psychotherapie.

Psychiater*in
Um Psychiater*in zu werden muss man zuerst ein Medizinstudium absolvieren und anschließend einen Facharzt im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie machen. Psychiater*innen können Medikamente verschreiben und Ein- und Überweisungen anordnen.

Alternativen zur ambulanten Behandlung

In manchen Situationen ist eine ambulante Therapie nicht ausreichend und eine Einweisung in eine stationäre oder teilstationäre Einrichtung notwendig. Stationäre Einrichtungen haben den Vorteil, dass du dort intensiver und umfassender behandelt werden kannst und in akuten Krisen direkt Ansprechpartner*innen vor Ort sind. Auch der physische Abstand von belastenden Situationen zu Hause, in der Uni oder am Arbeitsplatz kann helfen. Kliniken bieten meistens eine Kombination aus verschiedenen Behandlungsmethoden und Therapieverfahren an. Nach Abschluss eines Klinikaufenthaltes ist eine ambulante Weiterbehandlung ratsam, damit du dich wieder gut einlebst und um abrupte Brüche in der Behandlung zu vermeiden. Ähnlich verhält es sich mit teilstationären Einrichtungen. Auch dort wirst du umfassender behandelt, bist allerdings nur den Tag über dort. Falls du schon über einen stationären oder teilstationären Aufenthalt nachdenkst, kannst du dich auch an die PAS (Infos siehe oben) wenden, die dich bei diesem Weg berät und unterstützt.

Weitere Infos hier:
https://www.wege-zur-psychotherapie.org/die-behandlung-im-krankenhaus/

Finanzierung

Die Kosten einer Therapie werden grundsätzlich von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Wichtig ist dabei, dass der*die Therapeut*in eine Kassenzulassung hat. Bei privatversicherten Personen ist es abhängig vom jeweiligen Vertrag, was die Krankenkasse übernimmt. In solchen Fällen müsstest du dich bei deiner Krankenkasse informieren.

Für die Finanzierung einer Therapie braucht es eine Diagnose, welche der*die Therapeut*in in den probatorischen Sitzungen erstellt und mit dir bespricht. Die Diagnose wird erst nach den Sprechstundenterminen und den probatorischen Sitzungen gestellt, du kannst also in Ruhe ausprobieren, ob du dich wohlfühlst mit der Situation und dir wird nicht gleich am Anfang eine Diagnose aufgedrückt.

Falls noch unbeantwortete Fragen geblieben sind, findest du ausführlichere Infos zum Beispiel auf folgender Website:
https://www.wege-zur-psychotherapie.org/

Außerdem kannst du gerne einen Termin in unserer Sprechstunde vereinbaren und wir versuchen dir weiterzuhelfen. Wir können natürlich keine professionelle Beratung bieten, aber wir sprechen gerne von Studi zu Studi mit dir über deine Sorgen und versuchen dir nach bestem Gewissen zu helfen.